Hamburg/Garching, 10. Februar 2021. Spielerische Formate wie Makeathons, bei denen die Teilnehmer:innen innerhalb kurzer Zeit ein Produkt entwickeln, vermitteln Spaß an unternehmerischem Denken und Handeln. Hochschulen können speziell mit solchen Angeboten Forscher:innen für das Gründen begeistern. Gefördert durch die Joachim Herz Stiftung hat das Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universität München (TUM) konkrete Maßnahmen für die Gründungsförderung entwickelt. Sie sollen helfen neue Lehr- und Trainingsformate zu entwerfen, die Wissenschaftler:innen gezielt im Bereich Ausgründungen unterstützen.

Das Forschungsteam des Entrepreneurship Research Institute hat untersucht, welche psychologischen Faktoren den Gründungsprozess hemmen oder stärken. Neben einer spielerischen Herangehensweise sind klare Prozesse nötig, um für Unternehmertum zu begeistern und Frustration im Team zu verhindern.

Mit diesen zehn Maßnahmen können Hochschulen Gründergeist unter Wissenschaftler:innen fördern:

1. Entrepreneurship an Hochschulen verankern

Das Forschungsteam empfiehlt, Entrepreneurship zu einem festen Bestandteil der Hochschulen zu machen, etwa durch Entrepreneurship Education, Räume für Start-ups, eine leistungsfähige Gründungsberatung, regelmäßige DemoDays, bei denen Start-ups ihre Ideen vorstellen, oder auch Preisverleihungen.

2. Vorbilder auf die Bühne bringen

Erfolgreiche akademische Gründungen müssen sichtbar gemacht werden, beispielsweise in Vorlesungen oder Pitch-Events. Denn Forscher:innen, die erfolgreiche Gründer:innen und Start-ups aus der Wissenschaft kennen, schätzen ihre eigene Gründungsfähigkeiten besser ein und sehen Gründung als attraktive Karriereoption.

3. Freiräume für unternehmerische Ideen schaffen

Hochschulen sollten Forscher:innen Freiräume für unternehmerische Ideen bieten, etwa durch ein Gründungs-Sabbatical. Die Gründer:innen auf Zeit sollten dabei immer die Möglichkeit haben, in die Forschung zurückzukehren.

4. Brücken zwischen den Fachbereichen schlagen

Hochschulen sollten den interdisziplinären Austausch fördern, bei dem unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema zusammentreffen, zum Beispiel bei der lehrstuhlübergreifenden Zusammenarbeit.

5. Wirtschaft und Forschung frühzeitig vernetzen

Ein weiterer Erfolgsfaktor für erfolgreiche Gründungen ist der kontinuierliche Austausch mit der Wirtschaft. Forscher:innen, die früh in ihrer Karriere Kontakt mit Wirtschaft und Industrie haben, denken bei ihren Projekten öfter daran, wie sie die Ergebnisse in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umsetzen können. Netzwerkveranstaltungen und die Zusammenarbeit in Innovationsprojekten mit Unternehmen sowie Mentor:innen aus der Wirtschaft fördern diesen Austausch.

6. Mit spielerischen Formaten für Unternehmertum begeistern

Besonders spielerische Formate wie Makeathons, bei denen Gründungsteams über einen Zeitraum von drei Tagen bis zwei Wochen eine unternehmerische Idee und ein Produkt entwickeln, sind erfolgreiche Instrumente für die Gründungsförderung an Hochschulen. Die Teilnehmer:innen lernen dabei in interdisziplinären Teams ohne ökonomischen Druck Gründung kennen und erleben die eigene Selbstwirksamkeit und Freude am unternehmerischen Tun.

7. Interdisziplinäre Gründungsteams zusammenbringen

Hochschulen sollten die Bildung interdisziplinärer Gründungsteams unterstützen, indem sie Forscher:innen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenbringen, etwa durch fächer- und lehrstuhlübergreifende Projekte und Projektwochen, Netzwerkveranstaltungen oder physische Räume zur direkten Begegnung.

8. Gründer:innen zu einer professionellen Zusammenarbeit befähigen

Ein persönlichkeits- und teamorientiertes Coaching hilft, die Doppel-Rolle der Teammitglieder als Forscher:innen und Unternehmer:innen zu reflektieren und eine konstruktive Dynamik im Team zu entfalten. Das Coaching sollte Gründer:innen frühzeitig für typische Herausforderungen wie beispielsweise Selbstmanagement, Zeitmanagement, Führung oder gewaltfreie Kommunikation sensibilisieren und ihnen Methoden für eine professionelle Zusammenarbeit vermitteln.

9. Gründungsberater:innen psychologisch schulen

Die Hochschulen sollten ihre Gründungsberater:innen psychologisch schulen, damit sie die Gründungsteams umfassend begleiten können oder alternativ externe Coaches hinzuziehen.

10. Gründungsberatung räumlich nah an Gründungsteams ansiedeln

Damit ungeklärte Konflikte in den Teams schon frühzeitig bemerkt werden, empfehlen die Forscher:innen den Gründungsberater:innen, auch räumlich möglichst nah am Team zu sein und an Meetings mit potenziellen Partnern, Kunden und Investoren teilzunehmen.